
Die wirksamste Erholung in der Natur finden Sie nicht durch Zufall, sondern indem Sie die Landschaft gezielt auf Ihren aktuellen seelischen Bedarf abstimmen.
- Ein dichter Wald vermittelt Geborgenheit und hilft bei der Konzentration, ideal für introvertierte Phasen.
- Ein weites Bergpanorama fördert strategisches Denken und gibt das Gefühl von Freiheit und Weitblick.
- Die rhythmische Küste des Meeres unterstützt das Loslassen und inspiriert kreative Prozesse.
Empfehlung: Hören Sie vor der nächsten Planung in sich hinein: Brauchen Sie Geborgenheit, Weitblick oder Rhythmus? Ihre Antwort ist Ihr Kompass.
Der Kalender ist voll, der Kopf auch. Ein tiefes Bedürfnis nach einer Pause macht sich bemerkbar – einer echten Auszeit in der Natur. Doch oft greifen wir zu den üblichen Lösungen: Wir buchen den nächstbesten Wanderurlaub oder laden uns eine weitere Entspannungs-App herunter, in der Hoffnung, dass sie die ersehnte Ruhe bringt. Wir folgen Checklisten und « Top 10 »-Empfehlungen, ohne uns die entscheidende Frage zu stellen: Was genau braucht meine Seele in diesem Moment?
Die gängige Annahme ist, dass jede Form von Naturerlebnis gleich wirkt. Doch das ist ein Trugschluss. Die subtile Psychologie einer Landschaft – die Geborgenheit eines Waldes, der weite Blick vom Berggipfel, der unendliche Rhythmus des Meeres – interagiert auf einzigartige Weise mit unserem inneren Zustand. Was, wenn der Schlüssel zur tiefen Regeneration nicht darin liegt, irgendeinen Ort zu finden, sondern den richtigen? Einen Ort, dessen « Heil-Code » exakt auf unsere mentalen Bedürfnisse abgestimmt ist.
Dieser Artikel ist Ihr persönlicher Kompass. Statt Ihnen eine weitere Liste von Zielen zu präsentieren, helfen wir Ihnen, in sich hineinzuhorchen. Sie werden lernen, Ihren eigenen Bedarf zu erkennen und zu verstehen, welche Landschaftsform Ihre mentalen Akkus am effektivsten wieder auflädt. Es geht darum, eine bewusste Wahl für Ihr Wohlbefinden zu treffen und die Natur nicht nur als Kulisse, sondern als aktiven Partner Ihrer Erholung zu begreifen.
Um diesen inneren Kompass zu eichen, werden wir die psychologische Wirkung verschiedener Naturräume entschlüsseln, häufige mentale Blockaden aufdecken und Ihnen zeigen, wie Sie Ihre nächste Auszeit für maximale Regeneration gestalten. Folgen Sie uns auf eine Reise zu sich selbst – durch die heilende Kraft der Natur.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Wegweiser zur passenden Naturerfahrung
- Der Heil-Code der Natur: Warum ein Waldspaziergang besser wirkt als jede Entspannungs-App
- Sicher ins Abenteuer: Eine Checkliste für die Planung Ihrer nächsten Tour abseits der ausgetretenen Pfade
- Wald, Berge oder Meer: Finden Sie heraus, welche Landschaft Ihre mentalen Akkus am besten auflädt
- Die sanfte Kraft der Natur: Warum der Spaziergang im Stadtpark manchmal wertvoller ist als die Mount-Everest-Besteigung
- Von falschen Schuhen und fehlendem Wasser: Die häufigsten Fehler, die einen perfekten Tag in der Natur ruinieren
- Wald, Berge oder Meer: Finden Sie heraus, welche Landschaft Ihre mentalen Akkus am besten auflädt
- Kopf abschalten, Natur an: Die mentalen Blockaden, die Ihre erholsame Wanderung sabotieren
- Die Kunst der erholsamen Wanderung: Wie Sie Tempo, Route und Einstellung für maximale Regeneration optimieren
Der Heil-Code der Natur: Warum ein Waldspaziergang besser wirkt als jede Entspannungs-App
Im digitalen Zeitalter sind wir darauf konditioniert, für jedes Problem eine technische Lösung zu suchen. Gegen Stress soll eine App helfen, gegen Schlaflosigkeit ein Tracker. Doch die tiefste und wirksamste Form der Entspannung ist in unserer Biologie fest verankert und lässt sich nicht digitalisieren. Das Konzept des « Waldbadens » oder Shinrin-Yoku aus Japan ist weit mehr als ein esoterischer Trend; es ist eine wissenschaftlich fundierte Gesundheitspraxis, die aufzeigt, wie die Natur direkt mit unserem Nervensystem kommuniziert.
Die Wirkung ist messbar: Eine Studie der Universität Michigan zeigt, dass bereits 20 Minuten in der Natur zu einer signifikanten Senkung des Cortisol-Spiegels um 21 % führen können. Cortisol, bekannt als das « Stresshormon », ist bei chronischer Überlastung dauerhaft erhöht. Ein Waldspaziergang wirkt hier wie ein natürlicher Regulator, der den Körper aus dem « Kampf-oder-Flucht »-Modus in den Regenerations-Modus versetzt.
Aber was genau ist dieser « Heil-Code »? Die Forschung von Prof. Miyazaki Yoshifumi von der Universität Chiba gibt eine Antwort:
Die Phytonzide lösen beim Menschen ein Gefühl der Ruhe aus und senken den Blutdruck sowie die Aktivitäten des präfrontalen Kortex
– Prof. Miyazaki Yoshifumi, Universität Chiba, Zentrum für Umwelt, Gesundheit und Feldforschung
Phytonzide sind organische Verbindungen, die Bäume und Pflanzen abgeben, um sich vor Schädlingen zu schützen. Wenn wir diese unsichtbaren Substanzen einatmen, stärken sie unser Immunsystem. Forschungen von Dr. Qing Li haben ergeben, dass Waldbaden die Anzahl und Aktivität unserer natürlichen Killerzellen erhöht – Immunzellen, die eine entscheidende Rolle bei der Abwehr von Viren und sogar Tumorzellen spielen. In Japan ist Shinrin-Yoku deshalb eine staatlich anerkannte Maßnahme der Gesundheitsvorsorge.
Ein Waldspaziergang ist also keine passive Aktivität, sondern ein aktiver Dialog mit unserer eigenen Biologie, der auf Ebenen wirkt, die keine App je erreichen kann.
Sicher ins Abenteuer: Eine Checkliste für die Planung Ihrer nächsten Tour abseits der ausgetretenen Pfade
Die Vorstellung, einfach loszuziehen und sich in der Wildnis zu verlieren, klingt romantisch. Doch wahre Entspannung und das Gefühl von Abenteuer können nur dann entstehen, wenn eine grundlegende Sicherheit gewährleistet ist. Eine sorgfältige Planung ist kein Hindernis für die Spontaneität, sondern die Grundvoraussetzung für einen freien Kopf. Wer sich Sorgen um den Rückweg, das Wetter oder einen Notfall machen muss, kann nicht abschalten. Besonders abseits bekannter Pfade wird die Vorbereitung zum wichtigsten Teil des Erlebnisses.
Moderne Technologie kann hierbei ein unschätzbarer Verbündeter sein. Statt sich nur auf das Handynetz zu verlassen, das in vielen Naturgebieten unzuverlässig ist, sollten Sie auf spezialisierte Werkzeuge setzen. Die richtige App oder das passende Gerät im Rucksack kann den Unterschied zwischen einer kleinen Unannehmlichkeit und einer ernsten Notlage ausmachen. Es geht darum, die Kontrolle zu behalten, ohne die Verbindung zur Natur zu verlieren.

Wie die Abbildung zeigt, geht es nicht darum, ständig auf einen Bildschirm zu starren, sondern darum, ein Werkzeug zur Hand zu haben, das im entscheidenden Moment Orientierung und Sicherheit gibt. Die mentale Freiheit, die aus dieser Gewissheit erwächst, erlaubt es Ihnen erst, sich voll und ganz auf die Umgebung einzulassen.
Ihr digitales Sicherheitsnetz: Planungs-Checkliste für Touren
- Notfall-App installieren: Installieren Sie eine App wie « SOS EU ALP », die im Notfall Ihre exakten GPS-Koordinaten direkt an die zuständige Rettungsleitstelle übermittelt.
- Präzise Ortung einrichten: Machen Sie sich mit « what3words » vertraut. Diese App teilt die Welt in 3×3-Meter-Quadrate auf und weist jedem eine einzigartige Drei-Wort-Adresse zu – oft präziser als komplexe Koordinaten.
- Offline-Navigation sicherstellen: Laden Sie vor jeder Tour detaillierte Karten des Gebiets auf Ihr Smartphone herunter. Apps wie Komoot oder AllTrails ermöglichen die Navigation auch komplett ohne Mobilfunkempfang.
- Notfallkontakte hinterlegen: Speichern Sie wichtige Notfallkontakte nicht nur im Telefonbuch, sondern auch direkt in Ihrer Wander-App oder als Notiz auf dem Sperrbildschirm für den schnellen Zugriff.
- Unabhängigen GPS-Tracker erwägen: Für Touren in sehr abgelegenen Gebieten kann ein Gerät wie ein Spot oder Garmin inReach sinnvoll sein, dessen SOS-Funktion auch ohne Handyempfang über Satellit funktioniert.
Eine gute Vorbereitung verwandelt potenzielle Angst in gesunden Respekt und ermöglicht es Ihnen, die Herausforderungen der Natur mit Selbstvertrauen anzunehmen.
Wald, Berge oder Meer: Finden Sie heraus, welche Landschaft Ihre mentalen Akkus am besten auflädt
Die Frage ist nicht, *ob* die Natur guttut, sondern *welche* Natur Ihnen *jetzt* guttut. Jede Landschaftsform besitzt eine eigene psychologische Signatur, die unterschiedlich auf unsere seelische Verfassung wirkt. Ihren « inneren Kompass » zu justieren bedeutet, zu lernen, diese Signaturen zu erkennen und sie mit Ihrem aktuellen Bedürfnis abzugleichen. Sind Sie auf der Suche nach Geborgenheit und Kontemplation oder nach Weitblick und Expansion? Die Antwort bestimmt Ihr ideales Ziel.
Eine Geologin, die an einem Waldbaden-Seminar teilnahm, beschrieb diese neue Art der Wahrnehmung treffend:
Als Geologin betrachte ich die Natur meist aus einer wissenschaftlichen Perspektive – doch Lauras Waldbaden hat mich auf eine ganz neue Art mit dem Wald verbunden. Besonders die Übung mit der Lupe hat mich fasziniert, weil sie mir gezeigt hat, wie viel mehr es zu entdecken gibt, wenn man wirklich hinschaut.
– Teilnehmerin, Waldbaden-Seminar
Dieses Zitat illustriert perfekt den Kern der Landschafts-Psychologie: Es geht darum, die Perspektive zu wechseln und die Umgebung nicht nur zu konsumieren, sondern mit ihr in Resonanz zu treten. Die folgende Übersicht dient als Ihr persönlicher Kompass, um die passende Landschaft für Ihren mentalen Zustand zu finden. Eine vergleichende Analyse der psychologischen Wirkungen hilft dabei, die richtige Wahl zu treffen.
| Landschaftstyp | Psychologische Wirkung | Ideal für Persönlichkeitstyp |
|---|---|---|
| Dichter Wald | Geborgenheit, Detailfokus, Kontemplation | Introvertierte, Selbstreflexion suchende |
| Bergpanorama | Weitblick, Strategiefindung, Expansion | Zielorientierte, Visionäre |
| Meeresküste | Rhythmus, Loslassen, Unendlichkeit | Kreative, Veränderung suchende |
| Stadtpark | Niedrigschwellig, Alltagsnähe, Mikro-Erholung | Zeitknappe, Stadtmenschen |
Anstatt also zufällig ein Ziel auszuwählen, fragen Sie sich: Sehne ich mich nach dem schützenden Dach des Waldes, der grenzenlosen Perspektive der Berge oder dem beruhigenden Rauschen des Meeres?
Die sanfte Kraft der Natur: Warum der Spaziergang im Stadtpark manchmal wertvoller ist als die Mount-Everest-Besteigung
In unserer leistungsorientierten Gesellschaft neigen wir dazu, auch unsere Erholung zu optimieren. Wir träumen von der großen Expedition, der wochenlangen Trekkingtour oder der Besteigung eines berühmten Gipfels. Dabei übersehen wir oft die immense Kraft, die in der unscheinbaren, alltäglichen Natur direkt vor unserer Haustür liegt. Die Wahrheit ist: Für unser Wohlbefinden ist die Regelmäßigkeit des Naturkontakts oft wichtiger als die Intensität des einzelnen Erlebnisses.
Ein kurzer Spaziergang im Stadtpark während der Mittagspause kann eine tiefere regenerative Wirkung haben als ein seltener, aber stressiger Großausflug. Der Grund dafür ist die Niedrigschwelligkeit. Ohne Anreise, ohne aufwendige Planung und ohne Leistungsdruck können wir uns einfach dem Moment hingeben. Diese « Mikro-Dosen » Natur helfen, den Stresspegel kontinuierlich zu senken und verhindern, dass sich mentale Erschöpfung überhaupt erst aufbaut.

Wissenschaftliche Erkenntnisse untermauern diesen Ansatz. Das finnische Green Health Research Project zeigte, dass bereits 15-45 Minuten im Stadtpark Stimmung und Vitalität verbessern. Es braucht keine Wildnis, um die positiven Effekte zu spüren. Selbst urbane Wälder, wie der Sierichsche Forst im Hamburger Stadtpark, bieten mit ihrem über 100 Jahre alten Baumbestand ein vollwertiges Walderlebnis mitten in der Stadt. Solche Orte sind Oasen der Regeneration im hektischen Alltag.
Es geht darum, den Perfektionsanspruch loszulassen und die kleinen Fluchten wertzuschätzen. Der wahre Wert liegt nicht in der Trophäe eines bestiegenen Berges, sondern in der stillen Minute unter einem alten Baum, die unseren Geist zur Ruhe kommen lässt.
Von falschen Schuhen und fehlendem Wasser: Die häufigsten Fehler, die einen perfekten Tag in der Natur ruinieren
Ein Tag in der Natur verspricht Erholung, doch manchmal kehren wir gestresster zurück als zuvor. Oft sind es nicht die großen Katastrophen, sondern eine Kette kleiner, vermeidbarer Fehler, die das Erlebnis trüben. Während offensichtliche Fauxpas wie unpassendes Schuhwerk oder zu wenig Wasser leicht zu erkennen sind, liegen die wahren Saboteure oft tiefer – in unserer mentalen Einstellung. Der größte Fehler ist der Perfektionismus, der uns auch in die Natur folgt.
Wir setzen uns unter Druck: die geplante Route exakt einzuhalten, ein bestimmtes Tempo zu laufen oder den « perfekten » Sonnenuntergang zu erleben. Dieser Leistungsgedanke verwandelt eine erholsame Auszeit in eine weitere Aufgabe auf unserer To-do-Liste. Die Autorin Andrea Morgenstern bringt es auf den Punkt:
Der einzige Mensch, der erwartet, dass Du perfekt bist, bist Du selbst
– Andrea Morgenstern, Artikel über Perfektionismus
Diese Erkenntnis ist der Schlüssel. Die Natur stellt keine Erwartungen an uns. Sie lädt uns ein, einfach nur zu sein. Die häufigsten Fehler sind daher nicht materieller, sondern psychologischer Natur. Sie entstehen aus dem Unvermögen, den Alltagsmodus abzuschalten und sich auf den Rhythmus der Umgebung einzulassen. Zu den häufigsten psychologischen Fallen gehören:
- Erwartungsdruck loslassen: Die Unfähigkeit zu akzeptieren, dass « gut genug » oft perfekt ist und eine Planänderung kein Scheitern darstellt.
- Falsches Tempo: Der Drang, sich dem Rhythmus schnellerer Wanderer anzupassen, anstatt auf den eigenen Körper zu hören.
- Ziel- statt Prozessorientierung: Die Fixierung auf den Gipfel oder das Ende der Tour, wodurch der Weg selbst an Bedeutung verliert.
- Mangelnde Flexibilität: Das starre Festhalten an einem Plan, selbst wenn Wetter oder die eigene Kondition eine Anpassung erfordern.
- Pausen abwerten: Das Gefühl, dass Rasten ein Zeitverlust ist, anstatt es als wesentlichen Teil der Regeneration und des Erlebens wertzuschätzen.
Der perfekte Tag in der Natur ist nicht der, an dem alles nach Plan läuft, sondern der, an dem wir lernen, mit dem Unerwarteten zu fließen und uns selbst die Erlaubnis geben, unperfekt zu sein.
Wald, Berge oder Meer: Finden Sie heraus, welche Landschaft Ihre mentalen Akkus am besten auflädt
Nachdem wir die grundlegenden psychologischen Wirkungen von Wald, Bergen und Meer verstanden haben, geht es nun um die praktische Anwendung: Wie übersetzen Sie Ihr inneres Gefühl in eine konkrete Entscheidung? Der Prozess beginnt mit einer ehrlichen Selbstbeobachtung. Fragen Sie sich nicht « Wohin will ich? », sondern « Wie fühle ich mich?« . Die Antwort auf diese Frage ist der Schlüssel zu Ihrem persönlichen Landschafts-Code.
Fühlen Sie sich innerlich zerstreut, überfordert und sehnen sich nach Fokus und einem Gefühl der Sicherheit? Ihre Seele ruft wahrscheinlich nach dem Wald. Das dichte Blätterdach wirkt wie ein schützender Kokon, der die Reize der Außenwelt dämpft. Der Blick wird auf Details gelenkt – eine moosbewachsene Rinde, das Spiel des Lichts auf dem Waldboden. Dies fördert die Konzentration und beruhigt ein überaktives Nervensystem.
Oder fühlen Sie sich festgefahren, sehen keine Perspektive und haben das Gefühl, in den Details des Alltags zu ertrinken? Dann ist es Zeit für die Berge. Der Aufstieg selbst ist ein Akt der Überwindung, und der Panoramablick vom Gipfel verändert buchstäblich die Perspektive. Probleme, die im Tal riesig erschienen, wirken von oben klein und überschaubar. Diese Weite fördert strategisches Denken und gibt das Gefühl, über den Dingen zu stehen.
Vielleicht fühlen Sie sich aber auch emotional blockiert, halten an Altem fest und sehnen sich nach einem reinigenden Gefühl des Loslassens. In diesem Fall ist das Meer Ihr Ziel. Der unaufhörliche, gleichmäßige Rhythmus der Wellen hat eine meditative, fast hypnotische Wirkung. Er symbolisiert den ständigen Wandel und die Unendlichkeit. Das Rauschen überdeckt das Gedankenkarussell und der weite Horizont lädt dazu ein, Altes gehen zu lassen und Platz für Neues zu schaffen.
Ihre nächste Auszeit wird somit nicht mehr zu einer Flucht vor dem Alltag, sondern zu einer bewussten Hinwendung zu dem, was Sie wirklich brauchen.
Kopf abschalten, Natur an: Die mentalen Blockaden, die Ihre erholsame Wanderung sabotieren
Sie sind in der perfekten Landschaft, die Sonne scheint, doch im Kopf rattert es weiter. Die To-do-Liste für die nächste Woche, das ungelöste Problem bei der Arbeit, die Planung des Abendessens – der Körper ist in der Natur, aber der Geist ist im Büro geblieben. Dieses Phänomen ist eine der größten mentalen Blockaden für echte Erholung. Wir nehmen unseren « inneren Projektmanager » mit auf die Wanderung, einen Anteil in uns, der ständig optimiert, plant und bewertet.
Dieser innere Antreiber ist im Berufsleben nützlich, in der Natur jedoch ein Saboteur. Er misst die zurückgelegten Kilometer, vergleicht das eigene Tempo mit dem von anderen und bewertet die « Effizienz » der Pause. Erlauben wir ihm die Kontrolle, wird die Auszeit zu einer weiteren Performance. Die Angst, etwas nicht « richtig » zu machen oder nicht « genug » zu schaffen, ist oft tief verwurzelt in einem Streben nach Perfektionismus. Wir haben Angst vor dem Kontrollverlust und dem Verlust von Anerkennung, selbst wenn niemand zusieht.
Um diese Blockade zu durchbrechen, müssen wir lernen, bewusst vom « Tun »-Modus in den « Sein »-Modus zu wechseln. Es geht nicht darum, die Gedanken gewaltsam zu stoppen, sondern ihre Richtung sanft zu ändern – weg von der Zukunft und der Vergangenheit, hin zum unmittelbaren Moment. Achtsamkeitstechniken sind hierfür kraftvolle Werkzeuge. Sie holen unseren Geist zurück in den Körper und verbinden uns mit dem Hier und Jetzt.
Eine einfache, aber sehr wirksame Methode ist die 5-4-3-2-1-Technik. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und benennen Sie bewusst: 5 Dinge, die Sie sehen (eine Wolkenform, ein Blatt, die Farbe eines Steins). 4 Dinge, die Sie hören (das Rauschen des Windes, einen Vogel, Ihre eigenen Schritte). 3 Dinge, die Sie fühlen (die Sonne auf der Haut, den Rucksack auf dem Rücken, den festen Boden unter den Füßen). 2 Dinge, die Sie riechen (feuchte Erde, Kiefernnadeln). 1 Ding, das Sie schmecken (ein Schluck Wasser, die frische Luft). Diese Übung durchbricht das Gedankenkarussell sofort.
Erst wenn der innere Projektmanager eine Pause bekommt, kann die Natur ihre volle heilsame Wirkung entfalten und die ersehnte tiefe Regeneration stattfinden.
Das Wichtigste in Kürze
- Keine Einheitslösung: Die wirksamste Naturerfahrung ist keine Universallösung, sondern hängt von Ihrem individuellen seelischen Bedürfnis ab.
- Ihr innerer Kompass: Lernen Sie, auf Ihren inneren Zustand zu hören. Ob Sie Geborgenheit (Wald), Weitblick (Berge) oder Loslassen (Meer) brauchen, bestimmt Ihr ideales Ziel.
- Regelmäßigkeit vor Intensität: Kurze, regelmäßige Auszeiten in der nahen Natur, wie einem Stadtpark, sind oft erholsamer als seltene, aufwendige Großexpeditionen.
Die Kunst der erholsamen Wanderung: Wie Sie Tempo, Route und Einstellung für maximale Regeneration optimieren
Die wahre Kunst einer erholsamen Wanderung liegt nicht in der zurückgelegten Distanz oder der Höhe des Gipfels, sondern in der bewussten Gestaltung von Tempo, Route und innerer Haltung. Es geht darum, das Erlebnis so zu justieren, dass es maximale Regeneration ermöglicht. Dies beginnt mit der Entkopplung von Leistung und Genuss. Wie der japanische Shinrin-Yoku-Guide Tsuyoshi Masuzawa sagt: « Waldbaden bedeutet, die Natur zu fühlen. Wer schnell geht, kann nichts fühlen. » Dieses Prinzip gilt für jede Naturerfahrung.
Das richtige Tempo ist das, bei dem Sie noch mühelos atmen und die Umgebung wahrnehmen können. Es ist Ihr ganz persönlicher Rhythmus, nicht der der Gruppe. Die optimale Route ist nicht zwangsläufig die spektakulärste, sondern die, die zu Ihrer Tagesform und Ihrem mentalen Bedürfnis passt. Manchmal ist ein einfacher, ebener Weg entlang eines Baches heilsamer als ein anstrengender Gipfelsturm. Die entscheidende Komponente ist jedoch die Einstellung: die Erlaubnis, Pausen zu machen, wann immer Sie das Bedürfnis danach haben, und den Weg als Ziel zu sehen.
Die Regelmäßigkeit ist dabei ein entscheidender Faktor für die langfristige Wirkung. Nationale Umfragen in Finnland zeigen, dass über 95 % der Finnen 2-3 Mal wöchentlich Zeit im Freien verbringen. Diese Routine ist tief in ihrer Kultur verankert und ein Schlüssel zu ihrem hohen Wohlbefinden. Auch kurze, aber regelmäßige Naturkontakte summieren sich zu einer starken, gesundheitsfördernden Wirkung. Eine dreitägige Waldtherapie kann die Aktivität der natürlichen Killerzellen sogar für bis zu einem Monat erhöhen.
Beginnen Sie noch heute damit, Ihren inneren Kompass zu justieren. Ihre nächste, wirklich erholsame Auszeit ist nur eine ehrliche Frage an sich selbst entfernt.
Häufig gestellte Fragen zu Naturerlebnissen und mentaler Erholung
Warum kann ich beim Wandern nicht abschalten?
Suchen Sie nach den Gründen für Ihr Perfektionsstreben. Was würde passieren, wenn Sie eine Aufgabe nicht perfekt erledigen würden? Wovor haben Sie Angst? Meist ist es die Angst vor dem Verlust von Anerkennung und Bestätigung durch andere, die uns selbst in der Freizeit unter Druck setzt.
Wie erkenne ich meinen ‘inneren Projektmanager’?
Haben Sie beim Kochen das Ziel, in 20 Minuten fertig zu sein? Ist Ihr Kopf unterwegs zum Bäcker bereits beim Frühstückstisch? Denken Sie beim Essen daran, was Sie hinterher tun müssen? Wenn Sie gedanklich ständig bei der nächsten Aufgabe sind, ist Ihr innerer Projektmanager aktiv.
Was hilft gegen ständiges Optimieren während der Wanderung?
Wenden Sie die 5-4-3-2-1-Achtsamkeitsübung an: Benennen Sie bewusst 5 Dinge, die Sie sehen, 4 Geräusche, die Sie hören, 3 Empfindungen auf Ihrer Haut, 2 Gerüche und 1 Geschmack. Diese Technik unterbricht das Gedankenkarussell und holt Sie sofort ins Hier und Jetzt zurück.